Wiener Schnecken aus dem Hause Gugumuck

Kulinarisches Erbe

Schnecken haben in der Wiener Küche eine lange Tradition – seit dem Mittelalter galten sie als die beliebteste Fastenspeise schlechthin. Sie wurden in den ausgedehnten Weingärten rund um Wien gesammelt, doch bald schon reichte die Anzahl an Schnecken nicht mehr aus. Ab dem 17. Jahrhundert wurden rund um Wien Schneckengärten zur Zucht angelegt, um den steigenden Bedarf zu decken. Im 18. Jahrhundert wurden die Schwaben dann zu einem weiteren Schneckenlieferanten. Fassweise schiffte man  jährlich rund 400 Tonnen Weinbergschnecken mit den Ulmer Schachteln über die Donau bis nach Wien.

Verkauft wurden sie am berühmten Wiener Schneckenmarkt. Dieser befand sich bis Ende des 19. Jahrhunderts am Petersplatz. Sogenannte Schneckenweiber boten die Schnecken als Wiener Auster an. Direkt neben dem Schneckenmarkt befand sich das beliebte Schneckenbierhaus. Zu den Stammgästen zählte unter anderem der berühmte Schneckenliebhaber Franz Grillparzer.

Schnecken waren in allen Wiener Gesellschaftsschichten sehr begehrt. FĂĽr eine angenehme Abwechslung in der langen Fastenzeit sorgten zahlreiche Fastenspeisen wie Schnecken mit Kapern und Sardellen –  dem typischen Wiener Rind- und KalbfleischgewĂĽrz – in legierter Buttersauce gedĂĽnstet, mit Knoblauchbutter geröstet und auf duftigen Sauerkraut gebettet, oder auch schmackhafte Schneckensuppen. Ebenso wurden gezuckerte Schnecken und Eierspeise mit Schnecken als Fastenspeise sehr geschätzt.

Schneckenverkäuferin am Wiener Schneckenmarkt am Petersplatz. Johann Adolf Opitz um 1810