Wiener Schnecken aus dem Hause Gugumuck

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Future Garden

Landwirtschaftskonzepte fĂĽr urbanen Raum

Das Konzept

Auf Basis von ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen, konzentrieren wir uns auf für den Menschen „artgerechte“ Lebensmittel mit bestimmten Wirkmechanismen. Das Konzept ist vom Gedanken einer sparsameren und effektiveren Nutzung unserer begrenzten natürlichen Ressourcen geprägt. Um diese zu veranschaulichen, entsteht neben unserem Schneckenfeld ein Schaugarten mit den Teilbereichen „Ausdauernder Garten“, „Pilzgarten“ und „Waldgarten“ nach ökologischen Gestaltungsprinzipien.

Der Future Garden Schaugarten als ein nachhaltiges, produktives Ökosystem mit Fokus auf eine „artgerechte“ Ernährung für den Menschen soll BesucherInnen u.a. veranschaulichen:

– Was ist „artgerechte Nahrung“ für den Menschen?

– Was ist „Ausdauerndes Gemüse“ und welche noch unbekannten Nahrungsmittel gibt es?

– Wie und womit kann ein nachhaltiger, produktiver Garten gestaltet sein?

Als Basis dienen uns wissenschaftliche Erkenntnisse, wie sie im Wirkkochbuch zusammengefaßt sind. Wir sind überzeugt, dass ausdauernde Pflanzen, Pilze, Schnecken und Insekten zu den Nahrungsmitteln der Zukunft zählen. Aus ökologischer, physiologischer und wissenschaftlicher Sicht.

Der Future Garden bietet Raum diese Art der Nahrung in diverser Form zur Verfügung zu stellen und setzt somit neben dem Fokus auf eine „artgerechte“ Ernährung für den Menschen, ebenso auf eine ökologische und nachhaltige, dem Klima, sowie der Landschaft entsprechenden Herangehensweise in der Gestaltung und Auswahl der Pflanzen.

Wir verstehen uns als Anlaufstelle fĂĽr weitere Future Food Pioniere.

Der ausdauernde Garten – Einmal pflanzen, viele Jahre ernten

Mit dem Sesshaftwerden des Menschen und dem Beginn des Ackerbaus kamen verstärkt einjährige Pflanzen auf den Speiseplan des Menschen. Zuvor standen dem Menschen vorwiegend ausdauernde Pflanzen als Nahrung zur Verfügung, die der Mensch in seiner unmittelbaren Umgebung finden konnte. Auf der Future Farm wollen wir sozusagen „back to the roots“, blicken zurück auf dieses Spektrum der Nahrungspflanzen und finden dabei ganz Außergewöhnliches und Spannendes, das unseren kulinarischen Alltag bereichern kann.

Dieses Konzept soll im ausdauernden Garten sichtbar werden. Der Garten bietet Raum für eine reiche Vielfalt von mehr als 80 verschiedenen ausdauernden Gemüsearten. Neben bekannteren Pflanzenarten wie dem Spargel, dem Rhabarber oder der Artischocke, bereichern ungewöhnliche und auch unbekannte Gemüsepflanzen den Garten. So z.B. Knollenziest, Süßdolde, Speisechrysantheme, Meerkohl, Eschlauch, Hirschhornwegerich und viele weitere Arten, die auch von vom Verein Arche Noah, der sich auf Planzenvielfalt spezialisiert hat (www.arche-noah.at) Noah bekannt sind.

Die Vorteile des langlebigen Gemüses sind vielfältig:

– Nach einer eimaligen Etablierung sind die Pflanzen langfristig in der Pflege und Erhaltung sehr anspruchslos und liefern dennoch über Jahre, mitunter Jahrzehnte, verlässliche Erträge.

– Ihr Vermögen mit einem ausgeprägten Wurzelsystem in tiefere Bodenschichten vorzudringen erhöht den für uns interessanten Nährstoffgehalt in den essbaren Pflanzenteilen.

– Aufgrund der einmaligen Pflanzung bleibt der Boden intakt und wird nicht jedes Jahr neu umgegraben. Das Bodenleben bleibt ungestört, was sich positiv auf die Bodengesundheit und  -fruchtbarkeit, sowie das Wasserhalte- und CO2-Speichervermögen auswirkt.

– Ein ausgeprägtes Wurzelsystem und Speicherorgane der Pflanzen machen sie widerstandsfähig gegenüber Wetterextremen, Trockenheit sowie möglichen Befall mit Schädlingswellen. Sie sind somit auch im Hinblick auf den Klimawandel im Gefüge eines extremeren Stadtklimas von Bedeutung.

– Neben vielen ökologischen Bedeutungen wie z.B. der Zusatzfunktion als Nützlingspflanze spricht auch noch ein weiterer Aspekt für die Wahl von ausdauerndem Gemüse, nämlich ein ästhetischer. Viele bekannte Zierpflanzen sind auch kulinarisch verwertbar, wie z.B. die Taglilien mit essbaren Blüten. Es entsteht somit eine optisch ansprechende und kulinarisch wertvolle Pflanzung. Ein richtiger Paradiesgarten!

Ergänzt wird der ausdauernde Garten von dem ökologischen Gestaltungselement Kräuterspirale im Zentrum. Als Trockensteinmauer ausgeführt bietet sie neben den Pflanzen ebenso einen Lebensraum für diverse Nützlinge.

Als weiterer Schritt entsteht hier noch ein Waldgarten

Als möglichst selbsterhaltendes System, das nach erfolgreicher Etablierung seine Fruchtbarkeit selbst erhält, keinen externen Energieinput benötigt und erhaltungsextensiv ist, dient es dem Menschen als produktives Ökosystem mit einer Bandbreite an verschiedenen Produkten, ist dabei nachhaltig und wirkt sich positiv auf das lokale Klima aus.

Ausgangspunkt dieses Konzepts ist die Arbeit mit ökologischen Dynamiken, die für eine bestimmte Klimazone bestimmend sind. Die potentiell natürliche Vegetation, die Vegetationsgesellschaften, die sich nach Ausbleiben jeglichen menschlichen Eingriffs in unserer Klimazone und großen Teilen Europas von selbst etablieren, sind Waldgesellschaften. Der Waldgarten als designte Vegetationsgesellschaft, deren Gestaltung auf den Prinzipien natürlicher Waldökosysteme beruht, orientiert sich an der potentiell natürliche Vegetation für unsere klimageographische Lage.

Ein Waldgarten liefert Nüsse, Beeren und Früchte aller Art, Blatt-, Sprossen- und Wurzelgemüse, Salatpflanzen, essbare Blüten, Pilze, Gewürz- und Heilkräuter, etc. Der Waldgarten kann auch Tierhaltung integrieren (wie Geflügel und Bienen) und in offeneren Bereichen auch einjährige Gemüsepflanzen (Kürbis, Zucchini) beherbergen.

Ein Waldgarten sollte nicht mit „Gärtnern IM Wald“ verwechselt werden, sondern versteht sich viel mehr als ein „Gärtnern WIE der Wald“. Natürliche Prinzipien, wie Stockwerksaufbau (Baum-, Strauch-, Krautschicht), positive Interaktionen zwischen den Elementen (Symbiosen), bedeckter, ungestörter Boden, eine hohe funktionale (Nutzen), strukturelle (Nischen) und biologische (Artenvielfalt) Diversität werden sozusagen kopiert und mit, für den Menschen nützlichen Pflanzen, nachgebaut.

Als ein wichtiger Bestandteil des Future Gardens wird ein Waldgarten entstehen. Waldgärten bestehen aus ausdauernden Pflanzen (Gehölze und mehrjährige krautige Pflanzen) und selbstaussäenden einjährigen Pflanzen, die einen direkten (Nahrung) oder indirekten (z.B. Nützlingspflanzen) Nutzen für den Menschen haben.

Magdalena Bauer-Scharinger: Landschafts- und Waldgartenplanerin

Magdalena studierte Landschaftsplanung und –architektur an der Universität für Bodenkultur, Wien. Ergänzend absolvierte sie Fortbildungen im Bereich Permakultur- und Waldgartendesign und sammelte Erfahrung im In- und Ausland.

Ihr Studium schloss sie mit einer Masterarbeit zum Thema Waldgärten im urbanen Kontext ab und gewann mit ihrem Konzept „Forest Gardens in der Stadt“ den wissenschaftlichen Förderpreis der Stadt Wien sowie den 1. Posterpreis der ELLS Student Conference in Alnarp, Schweden, 2013.

Im Zuge eines Kooperationsprojekts im Auftrag der Stadtplanungs-, der Umweltschutz- und der Forst- und Landwirtschaftsabteilung der Stadt Wien, arbeitete Magdalena Bauer-Scharinger 2014/2015 einen Planungsentwurf auf Basis des Planungskonzepts CPULs (Continuous Productive Urban Landscape, Multifunktionales Grün- und Freiraumnetzwerk mit integrierter Urban Agriculture sowie Naherholung und grüner Mobilität) für den Bezirk Floridsdorf aus.

Seit 2014 hat Magdalena Bauer-Scharinger die Leitung der Jungpflanzenmärkte bei Arche Noah übernommen und hält Vorträge und Workshops zum Thema Waldgarten, Permakultur und ausdauerndes Gemüse, sowie extensives Gärtnern in Kooperation mit dem Verein Gartenpolylog.

Ihr Interesse gilt im Besonderen der nachhaltigen Gestaltung lebenswerter und essbarer Lebensräume, der ökologischen Zusammenhänge in Natur und Garten, sowie der Verbreitung und Erhaltung der Vielfalt an besonderen Nahrungspflanzen.